Carpe Diem!

Ihr Lieben,

lange hab ich überlegt, ob ich diesen Post schreiben soll. Ob ich es öffentlich mache. Doch es gehört einfach dazu, zu mir, zu uns, zu unserem Leben.

Manchmal hat das Leben Überraschungen im Gepäck, die niemand wirklich braucht. So bekam ich letztes Jahr im Mai die Diagnose, dass in meiner Brust ein Tumor wächst. Bähm! Da reißt es einem erstmal die Beine vom Boden. Wieso ich? Warum so einen Mist? Die Fragenkette ist endlos… Und obwohl die Fragen noch längst nicht alle beantwortet sind, bist du drin, im Behandlungsprozess, in einer gefühlten Einbahnstraße. Dieses kleine Wort Brustkrebs bringt Dir ganz viel: OP, Chemo, Bestrahlung, Antikörper, Hormontabletten. Volles Programm! Wenn ich was mache, mache ich es richtig… Ironie off.

Doch schon mit der Diagnose fängst Du an, zu organisieren. Schließlich hast Du Familie und ein Kind, was besondere Bedürfnisse hat. Wir hatten ganz großes Glück, dass wir eine wunderbare Familienpflegerin hatten, die uns vor dem großen Landunter bewahrt hat. Mein Mann war in der Zeit immer für mich da! Danke dafür, großer Lieblingsmensch <3 Weitere Unterstützung gab es von Freunden, die von Anfang an da waren, wenn es notwendig war!

Ich möchte gar nicht so sehr auf die letzten 1 1/2 Jahre eingehen. Ich habe vieles erlebt, ein dickes Buch könnte ich schreiben. Meine größte Motivation ist natürlich meine Familie. Ich habe zur Zeit der Erkrankung gerade eine Ausbildung zum NLP-Master gemacht. Das hat mir sehr gut getan. Ich war und bin so voller Ressourcen und mental gefestigt. Ich bin für meine Gedanken verantwortlich, mein Geist ist gesund! Das war und ist ganz wichtig für mich! Mit der Aussage “es ist heilbar” habe ich mich ganz darauf konzentriert, auch körperlich wieder gesund zu werden. Ich habe auch während der Behandlungszeit immer “Regie” geführt über mein Leben, sprich, weder das selbständige Denken eingestellt noch die Verantwortung abgegeben.

Ich habe vieles mitgenommen – vor allem habe ich gelernt, achtsam zu sein. Auf mich zu achten, meine Bedrüfnisse nicht zu vergessen. Auch mal nein zu sagen. Nicht immer bei allem hier zu schreien. Zwar bedarf es im Alltag immer mal wieder etwas Nachhilfe, grundsätzlich bin ich jedoch auf einem guten Weg.

Ich habe zwar meine Haare verloren, aber meinen Humor und meine Lebensfreude waren immer da! Diese haben mich durch die Einbahnstraße Behandlung geführt und vieles erträglich gemacht.

Und mit Humor und Lebensfreude hab ich es heute zum RUMS geschafft! In meinem neuen Lieblings-Pommes-Pulli!

Das war jetzt ein sehr emotionaler Post, aber “drüber reden” ist ein Annehmen und Verarbeiten! Außerdem möchte ich allen da draußen Mut machen! Ich kann nicht in die Zukunft schauen, doch eines weiß ich genau, ich genieße den Tag, egal ob Regen oder Sonnenschein! Und deshalb bin ich jetzt ganz arg mutig und veröffentliche diesen Blogpost. verlinke ihn zu RUMS und danach gehe ich ganz bewußt und ohne Zwang eine Runde spazieren – nur für mich!

Carpe Diem!

Eure Oktoberkind-Mama

Schnitt: Lady Rose von Mialuna  Stoff: OMG-Fries und KnitKnit-Ringel von Hamburger Liebe