Inklusion oder Nixklusion… #RUMS 08/18

Ihr Lieben,

ich spar mir mal die Neujahrsgrüße. Hüstel… Ähm, ich hatte Besserung gelobt… Läuft, würde ich sagen – nur ca. 12 Wochen Sendepause… Schön, dass Ihr trotzdem da seid!

Als ich im Oktober den Aufruf für eine neue Schulbegleitung gestartet hatte, dachte ich im Traum nicht daran, dass dieses Thema sich bis kurz vor knapp ziehen würde. Echt nicht! Ich hatte viele tolle Bewerbungen, bei vielen hätte ich es mir auch gut vorstellen können, dass sie das Räubermädchen liebevoll im Schulalltag begleiten würden. Anfang Dezember dachte ich, jetzt hab ich Ruhe. Das Thema war unterm Weihnachtsbaum, über den Jahreswechsel und bis fast Ende Januar allgegenwärtig.

Ich war gelähmt, habe dieses Mal fast die Hoffnung aufgegeben. Ich habe etliche Tränen verdrückt. Ich fühlte mich einfach so hilflos. Seit 1 1/2 Jahren besucht das Räubermädchen inklusiv die Waldorfschule. Es klappt weitestgehend gut, sie ist mittendrin statt nur dabei, bei allem was dazu gehört: Freunde, Spielverabredungen, Geburtstagseinladungen und auch beim Quatsch machen steht sie den anderen Kindern in nichts nach. Sollte dieser Traum über Nacht zerplatzen, weil das System nicht funktioniert?

Im Mai 2009 – also noch ein halbes Jahr vor der Geburt des Räubermädchens – trat in der Bundesrepublik Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Kraft. Kern dieser Konvention ist die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen in der Gesellschaft. Dazu zählt auch die Teilhabe an Bildung!

Leider befinden wir uns in vielen Bereichen gefühlt noch immer in der Pilotphase. Die Rahmenbedingungen stimmen vielfach nicht. Ja – meine Tochter braucht Hilfe durch eine Schulbegleitung. Es fehlt die Wertschätzung der Arbeit derer, die als Schulbegleitung einen wichtigen sozialen Job machen. Es kann nicht sein, dass es keine Sicherheiten für die Schulbegleiter gibt. Hier ist es so, dass der Arbeitsvertrag von Schuljahresbeginn bis Schuljahresende läuft. Die großen Ferien ist man arbeitslos. Von einer wertschätzenden Bezahlung mag ich gar nicht reden. Es ist auch keine Außnahme, dass mehrere Schulbegleitungen für ein Kind zuständig sind – sie teilen sich die Tage auf. Stabilität und Sicherheit haben in so einem System leider eine leere Hülle. Neben dem Kind, was auf Hilfe angewiesen ist, bringt so ein System eine Klassengemeinschaft immer wieder durcheinander.

Wir haben das große Glück, dass der Träger, über den unsere Schulbegleitung läuft, erstens großen Wert auf Fachkräfte legt und zweitens diese auch versucht, langfristig zu binden. Nur so kann eine Beziehung aufgebaut werden, Stabilität und Sicherheit bilden die Basis für ein gutes Lernumfeld. Hier sind ganz klar Idealisten gefragt: feste Arbeitsverträge braucht man nicht, ebensowenig ein wertschätzendes Gehalt. Singen wir doch alle mal das große Loblied auf die Wertschätzung der sozialen Berufe! Yeah!

Wir haben jetzt zumindest die Kuh vom Eis. Das Räubermädchen und ihre neue Schulbegleitung befinden sich im Teambildungsprozess. Es werden zur Zeit viele Grenzen getestet. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass die zwei ihren Weg machen werden.

Unser inklusiver Weg geht also erstmal weiter!

Die letzten Monate hab ich echt Federn gelassen. Es kann ein ganz kleiner Schritt zwischen Inklusion und Nixklusion liegen. Es bedarf ner großen Portion Kampfgeist und Stärke. Daher passt auch mein nicht mehr ganz so neuer Aufreißer-Pulli mit Löwe heute gut zum Thema.

Nach dem ganzen grauen Dezember und Januar brauch ich Licht und Farbe und die Sommersprossen haben sich auch schon wieder fleißig hervorgewagt 🙂 Und mein Lachen hab ich auch wieder!

Und weil ich meinen Löwenpulli so gern habe, geht er zu RUMS.

Bis hoffentlich bald in diesem Kino!

Eure Oktoberkind-Mama

Stoffe: Alles fuer Selbermacher, z.zt. vergriffen

Schnittmuster: Aufreißerpulli von LeniPepunkt; Unterhemd Haemd von Schnittgeflüster

Selbstverständlich mittendrin

Ihr Lieben,

gestern durften wir beim Tag der offenen Tür an der Schule des Räubermädchens Mäuschen spielen. 45 min offener Unterricht für alle, die interessiert waren. Natürlich waren ganz viele Eltern da, die mal schauen wollten, wie der Hauptunterricht funktioniert.

Ich wäre als Kind schon sehr abgelenkt gewesen, wenn ganz viele Erwachsene UND auch noch meine Eltern im Unterricht dabei gewesen wären. Aber die Klasse hat das wunderbar gemeistert!

Zunächst wurden die Kinder von den Lehrern begrüßt: Guten Morgen, liebe 2. Klasse! Guten Morgen Herr Sowieso und Frau Sowieso. Schon bringt sich unsere Motte ein: Und jetzt die Eltern! Recht hat sie, die müssen ja auch begrüßt werden! Lach! Nachdem nun alle in aller Form begrüßt wurden, bauten 4-6 Kinder das Jahreszeitentischlein in der Mitte des Morgenkreises auf. Auch hier durfte das Räubermädchen mithelfen. Ganz selbstverständlich übernimmt sie ihre Aufgaben im Klassenverband.

Am Tag zuvor gab es ein Geburtstagskind, welches dann immer die Kerze anzünden darf. Das war dann das Stichwort für unsere Tochter: Wisst Ihr denn, wer heute Geburtstag hat? Der halbe Anton! Ja – wir feiern den Geburtstag vom halben Anton am 23.09. Isso. Die Kinder kennen natürlich alle den Halben und es wurde sogar im später wieder geschlossenen Unterricht ein Geburtstagslied für ihn gesungen. So sagte es zumindest das Räubermädchen. Für alle, die nicht wissen, was es mit dem halben Anton auf sich hat, bitte hier entlang. Mittlerweile hat er längst den Bruder Status erreicht.

Wir durften nach den morgendlichen Ritualen der Rechnenepoche beiwohnen, in der der Klassenlehrer den Kindern sehr eindrücklich und mit ganz viel Herzblut die Tauschaufgaben erklärt hat.

Das Highlight an diesem Schulsamstag war allerdings die Monatsfeier, wo alle Klassen kurze Bühnenbeiträge zeigen. Die 2. Klasse hat das kommende Michaeli-Fest in Form eines kleinen Theaterstückes inszeniert! Einfach toll, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kinder auf der Bühne vor einem großen und vor allem fremden Publikum agieren! Da geht einem echt das Herz auf! Das Räubermädchen gab viele, formvollendete Verbeugungen zum Besten! Auch hier ist sie mittendrin und bei der internen Monatsfeier für die Schüler am Vortag hatte sie sogar eine von den 6 Rollen des Rollenspiels ergattert. Das Stück dauerte ca. 10 min und hatte ganz viel Text, den die Kinder alle gemeinsam aufsagten. Unsere Maus legt mittleriweile eine ungeheure Textsicherheit an den Tag!

Bilder kann ich Euch von diesem wundervollen Ereignis keine zeigen, was aber auch völlig in Ordnung ist. Denn hier geht es um die Persönlichkeitsrechte von ganz vielen Menschen und somit gab es nur eine offizielle, von der Schule bereitgestellte Fotografin.

Dafür hab ich Euch noch ein paar andere Bilder mitgebracht. Der Spruch passt meiner Meinung nach nämlich sehr gut zur Geschichte. Home is where your anchor drops! Ich glaube, unser Räubermädchen ist längst an der Schule angekommen und hat dort ihren Anker fallen lassen!

Habt einen schönen Sonntag! 

Eure Oktoberkind-Mama

Stoff: Happy stripes von Alles fuer Selbermacher. Schnitt ist aus einer älteren Ottobre.

Der Plott ist leider nicht käuflich zu erwerben und war ein Geschenk von der wundervollen Annelie von Ahoi  

enthält Werbung

Rückblick – das erste Jahr Schule

Ihr Lieben,

wir haben sie überstanden – die Herausforderung für Eltern, deren Kinder in die Schule gehen oder kurz gesagt: SOMMERFERIEN! Die ersten Sommerferien sind rum, das Räubermädchen hat bereits die dritte Schulwoche als Zweitklässlerin gestartet. Zeit, um Euch endlich mal etwas aus dem Schulalltag zu berichten.

Wir haben uns letztes Jahr sehr gefreut, als es hieß, unsere Tochter darf die Waldorfschule besuchen. Wir haben uns ganz bewusst für diese Schule entschieden und sind auch nach dem ersten Jahr noch vollkommen überzeugt, dass es die richtige Wahl gewesen ist.

Die anfänglichen Schwierigkeiten, die eine so große Klasse (insgesamt 28 Kinder) mit sich bringt, hat Emma gut gemeistert. Sie ist angekommen. Sie hat den Ablauf verinnerlicht und kann sich in der Regel auf die einzelnen Fächer einlassen. Das alles funktioniert nicht zuletzt daher so gut, weil wir seit Beginn des Jahres durch die perfekte Schulbegleitung unterstützt werden. Die zwei kennen sich seit Jahren und mögen sich sehr. So hat Emma auch in schwierigen Situationen den nötigen Halt gefunden.

Das erste Jahr war unruhig für die Kinder. Der Klassenlehrer wechselte, die pädagogische Fachkraft verließ die Klasse. Diese Wechsel – gerade in der Phase des Einlebens an der Schule – fallen einigen Kindern leichter als anderen. Unsere Maus hat es eher leichter weggesteckt.

Sie ist in dem letzten Jahr unheimlich gewachsen – vor allem im Inneren. Manchmal kommt es mir auch äußerlich immens vor, aber bei der Körperlänge schlägt sich das leider noch immer nicht deutlich nieder. Es ist wohl dieses innere gewachsen sein, was sie auch nach außen viel größer erscheinen lässt.

“Ihre Tochter hat viele Talente und wir können viel von ihr lernen” – das wurde uns bei einem Eltern-Lehrer-Gespräch gesagt. Mehr Worte braucht es eigentlich nicht!

Sie ist auch bei den Kindern angekommen – sie hat Verabredungen zum Spielen, wird zu Kindergeburtstagen eingeladen. Wir haben Emmas Geburtstag vor den Sommerferien nachgefeiert und ihre Freundinnen und Freunde aus der Schule sind gerne gekommen.

Und auch beim Quatsch machen steht unser Räubermädchen den anderen Kindern in nichts nach. Es hat zwar bis April gedauert, aber da hatte sie auch endlich eine Verwarnung wegen schlechten Betragens in der Tasche. Stolz wurde Zuhause der Zettel präsentiert, denn ENDLICH hatte sie auch so einen Zettel. Lach! Das ist dann wohl mal pädagogisch nach hinten losgegangen! Wir haben ihr dann erklärt, dass solche Zettel keine Belohnung seien.

Was hat Emma im ersten Schuljahr gelernt? Sie kann die Buchstaben lesen und schreiben, das Lesen von Worten fällt ihr noch schwer, sie ist aber dran. Sie hat unheimlich viele Lieder und Texte verinnerlicht, nicht nur in ihrer Muttersprache, auch englische und französische Lieder und Begriffe befinden sich in ihrer Schatzkiste. Sie hat im Handarbeitsunterricht voller Eifer ihren Flötenbeutel gewebt, während die anderen Kinder ihn gestrickt haben. Stricken kann sie mit Unterstützung ein paar Maschen, es ist aber noch eine große motorische Herausforderung für sie. Zur Mathematik hat sie bisher nicht den größten Zugang gefunden.

Das erste Jahr Schule hat ihr ganz viel Mut gebracht. Sie hat zum Beispiel den Mut, allein ein Brot kaufen zu gehen (noch nicht den Weg dorthin, aber allein zum Bäcker und bestellen und bezahlen). Und wehe, die Mama kommt mit! Über das mutig sein kommt aber bald nochmal eine eigene Geschichte!

Und jetzt genießen wir noch die letzten richtig heißen Tage des Altweibersommers!

Habt es schön!

Eure Oktoberkind-Mama

Stoffe: Alles fuer Selbermacher Kitze, Blumenwiese und Little Dreamer leider z.zt. aus; Kombistoffe aus dem eigenen Fundus

Schnitte: HiBoho-Kleid von FeeFee; Luckees und Tee von NipNaps; Sommerliebe³ von Die Drahtzieherin; Leggings Multifit von Erbsenprinzessin